| back | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Templiner Zeitung vom 24.04.99 BAJA stellt seinen Unterricht ein Finanzielle Nöte zwingen den Trägerverein zum Schließen der Kunstschule | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Templin (EB/ U. Buchmann). Nach über acht Jahren stellt das Kunstinstitut BAJA e.V. seine Unterrichtstätigkeit zum 15. Juli 1999 ein. Dieser Vereinsbeschluß ist jetzt den 200 Schülern bzw. deren Eltern mitgeteilt worden. Die ersten Mietverträge für Unterrichtsräume wurden gekündigt. Etwas anderes sei finanziell nicht mehr vertretbar, erklärte dazu der Vereinsvorsitzende, Falk Schoß. Die Form des Unterrichts leidet, wenn es an allen Ecken und Enden fehlt und sich die Mitarbeiter in erster Linie um finanzielle statt um inhaltliche Fragen kümmern müssen", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Im diesjährigen Haushalt der von einem Verein getragenen Kunstschule klafft ein Loch von fast 70 000 DM. Auch 1998 sah es nicht sehr viel besser aus, doch da habe man es mit großen Anstrengungen geschafft, Spenden und Sponsorengelder in Höhe von 30 000 DM zusammenzubringen, so die künstlerische Leiterin des Hauses Barbara Richter-Rumstig. Daß dies noch einmal gelänge, davon könne man beim besten Willen nicht ausgehen. Gerade in letzter Zeit war der Vereinsvorstand in dieser Frage wieder sehr aktiv, beantragte Gelder bei großen Stiftungen, wandte sich an namhafte Aktiengesellschaften, erhielt aber leider nur einen Riesenstapel Absagen", bedauerte Falk Schoß. Einzigartiges Konzept Das Kunstinstitut verfolgt ein in Brandenburg nahezu einzigartiges Konzept der umfassenden künstlerischen Erziehung, gilt als Vorreiter beim Heranführen von Kindern an zeitgenössische Musik und tat mit alljährlichen internationalen Gitarrefestivals viel für das Renommee |
der Stadt. Doch die Kommune sieht sich außerstande, ihm finanziell stärker unter die Arme zu greifen. Für die Unterstützung der Vereinsarbeit insgesamt seien in diesem Jahr nur 7000 DM im Haushalt eingeplant, heißt es in einem städtischen Schreiben an das BAJA. Man gehe davon aus, daß bei weiterer äußerst sparsamer Bewirtschaftung die Existenz des Vereins nicht gefährdet erscheint". Ein Satz, der, so oder ähnlich formuliert, auch für die Stadtfianzen gelte und sich auf den letztlich ausgeglichenen Haushalt des Vorjahres bezog, erläutert Kämmerin Ursula Heise. Daß der Verein aus der Ablehnung des städtischen Zuschusses die Konsequenz zog, die Unterrichtstätigkeit einzustellen, bedaure sie sehr: Es ist ein Jammer, wenn das BAJA eingeht, denn ich betrachte seine Arbeit auch als eine Art Programm zur Verhinderung von Jugendkriminalität." Doch es müsse unter den Stadverordneten einen eindeutigen politischen Willen geben, die Einrichtung finanziell zu unterstützen, dafür Abstriche an anderen Angeboten zu machen, erklärte sie. Zu einer Beschlußfassung darüber sind die Stadverordneten nie gekommen. Im November 1998 signalisierte das BAJA seinen Zuschußbedarf. Im Kultur- und Bildungsausschuß spielte das Thema dann vor allem informativ eine Rolle. Im März kamen Zweifel am Haushaltskonzept des Vereins auf. Es gibt viele Möglichkeiten der Projektförderung, ich glaube nicht, daß das Kunstinstitut alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft hat" sagte Gottfried Kerner, Vorsitzender des Ausschusses, gegenüber TZ. |
In guten Zeiten hatten wir einen Jahresumsatz von 500 000 DM" ist von Barbara Richter-Rumstig zu erfahren. Nur ein Bruchteil davon kam aus Unterrichtsgebühren, das meiste über Projektförderung vom Land oder vom Kreis. Von den Fördermittelgebern sei aber stets signalisiert worden, daß die Kommune letztlich mit ins BAJA-Boot einsteigen müsse. Das ist nicht gelungen. Ich räume ein, mich darum vielleicht auch nicht genügend gekümmert zu haben, die inhaltliche Arbeit war mir immer wichtiger", sagt Barbara Richter-Rumstig. Nicht sang- und klanglos" Wir wollen der Stadt keinesfalls den Schwarzen Peter zuschieben", so Falk Schoß. Ein wenig mehr Bemühen, gemeinsam Kompromisse für den Erhalt des Kunstinstitutes zu finden, hätte man sich allerdings gewünscht. Viele Außenstehende sähen gar nicht, wie viel ehrenamtliches Engagement hinter den vielen BAJA-Erfolgen gesteckt habe. Wohl nicht jede Kunstschule kann von sich behaupten, eigens für sie komponierte Musik uraufgeführt oder weltberühmte Gitarristen in die Provinz gelockt zu haben. Auch in diesem Sommer wird es noch ein Gitarrenfestival geben. Denn sang- und klanglos wollen wir uns nicht verabschieden" so Falk Schoß. Eltern von Schülern wolle sich mit dem Aus icht abfinden. Sie ergriffen Initiativen für den BAJA-Erhalt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Templiner Zeitung vom 06.05.99: Komponisten erheben Stimme für Kunstinstitut Stadt will mit Verein nach Lösungen suchen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Von unserem Redaktionsmitglied Ulrike Buchmann Templin. Für den Erhalt des Templiner Kuntinstitutes BAJA e.V. haben jetzt auch namhafte Komponisten und Interpreten wie Georg Katzer (Mitglied der Akademie der Künste) und Uwe Kropinski ihre Stimme erhoben. Ich hatte verschiedene Male das Vergnügen, Veranstaltungen des Kunstinstitutes zu besuchen und konnte auch erleben, wie sehr die Arbeit von den Templinern angenommen wird", schreibt Prof. Katzer in einem offenen Brief und meint: BAJA schließen, hieße ein Stück Kultur aufgeben". Menschliche Werte" Der ebenfalls international bekannte Gitarrist und Komponist Uwe Kropinski, der auf Initiative des Kunstinstitutes in diesem Jahr zum zweiten Mal in Templin gastieren und Workshops für junge Gitarristen |
abhalten wird, schreibt: Daß heute für alles Geld benötigt wird, wissen wir alle, wir sollten uns diese Erkenntnis allerdings nicht als Verdienst anrechnen, zumal die Rechnung im Bereich Kultur schon deswegen nicht aufgeht, da es hier um Werte geht, die über denen wirtschaftlichen Denkens stehen, ich spreche von der Freude der Schüler, dem Engagement der Lehrer und der Anteilnahme der Eltern und des Publikums. Das zu erhalten, darumgeht es, und wenn nötig, sogar mit Geld. Wie groß der Verlust des BAJA ist, wird man erst in Jahren ermessen können, wenn es zu spät ist." Das Thema Einstellung der Unterrichtstätigkeit in dem von einem Verein getragenen Kunstinstitut spielte gestern auch in der Stadtverordnetenversammlung eine Rolle. Der Vorstand des Vereins und Eltern von BAJA-Schülern nutzten die Einwohnerfragestunde um sich zu erkundigen, ob den Stadtverordneten die Bedeutung des Kunstinstitutes bekannt sei und ob es ein klares Bekenntnis dazu gebe. Stadtverordnetenvorsteher Helmut Jetter bejahte dies ausdrücklich. Man habe dem Kunstinstitut von den wenigen zur |
Verfügung stehenden Mitteln stets soviel zukommen lassen, wie man verantworten konnte, erklärte er. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang an Zuschüsse für den Gitarrenwettbewerb, die nicht nur aus der Stadtkasse, sondern auch von Abgeordneten privat gewährt wurden. Außerdem gäbe es zusätzlich alljährlich eine indirekte Zuwendung von 22 000 DM, indem man der Kunstschule Mietfreiheit im ehemaligen TaT einräumte. Verhandlungen geplant Geld in der Größenordnung wie es das BAJA jetzt beanspruche, könne man nicht zur Verfügung stellen. Vereinbart wurde im Laufe der Sitzung allerdings, daß der Bürgermeister und der Vorsitzende des Kulturausschusses mit dem Verein über mögliche Lösungen zum langfristigen Erhalt des BAJA verhandeln sollen. zur | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Templiner Zeitung vom 10.11.99 Gitarrenfest soll auch 2000 stattfinden BAJA-Verein gibt seine Tätigkeit trotz Einstellung des Unterrichts nicht auf - Gespräche geführt | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Templin (EB/ U. Buchmann). Obwohl die Unterrichts-Tätigkeit im Sommer dieses Jahres eingestellt werden musste - der Verein Kunstinstitut BAJA e.V." gibt nicht auf. Im Gegenteil, erst kürzlich wurde eine neue Konzeption beschlossen, der zufolge künftig größere Brötchen gebacken werden sollen. Die Ideen reichen bis hin zu einer privaten Kunstschule, die weit über die Grenzen der Uckermark hinaus wirksam werden könnte. Das anvisierte Ziel soll nicht ein Abbild des alten BAJA sein, sondern seine Weiterentwicklung", heißt es in dem Konzept. Gedacht wird an weitere Fächer, mehr Personal und ein eigenes Haus, möglichst als Internat. Das klingt natürlich gewaltig", räumt der stellvertretende Vereinsvorsitzende, René Bungenberg, im Gespräch mit TZ ein und vergleicht die hehren Ziele" mit einem Marathonlauf. Jetzt haben wir erst einmal den nächsten 100-Meter-Lauf zu überstehen", setzt er die aktuelle Vereinsvorhaben dazu in Relation. Sie bestehen immerhin in zwei größeren Projekten. |
Weihnachtskonzerte In Vorbereitung sind derzeit mehrere Weihnachtskonzerte, gestaltet von Schülern, die jetzt privat von einst beim Kunstinstitut angestellten Lehrern unterrichtet werden. Außerdem will der Verein auch im Jahr 2000 wieder ein Internationales Gitarrenfestival ausrichten. Die ersten Anmeldungen für den Jugend-Wettbewerb liegen vor. Mit den alljährlichen Festivals tat das Kunstinstitut BAJA e.V. viel für das kulturelle Renommee der Stadt und hofft deshalb auch weiterhin auf deren Unterstütung. Der Bürgermeister habe bereits Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Raum signalisiert, den man als Anlaufpunkt für die Festival-Organisation benötige so René Bungenberg. Im Gespräch sei zum Beispiel das Alte Rathaus gewesen. Mit Fördermitteln vom Land könne man für das Festival sicher wieder rechnen, allerdings sei ein Eigenanteil von etwa 12 000 DM aufzubringen. Das wird sicher schwierig, denn wir haben derzeit so gut wie keine Einnahmen", erklärte der stellvertretende Vereins-Vorsitzende. |
VAn die 28 Mitglieder wird daher zunächst der Vorschlag ergehen, die Jahresbeiträge von derzeit 100 DM zu verdoppeln. Außerdem wolle man weitere Mitglieder werben, solche, die bereit sind, Aufgaben zu übernehmen, aber auch sogenannte Fördermitglieder, die das Anliegen des Vereins lediglich finanziell unterstützen wollen. Wir verfolgen das Anliegen, verschiedene Kunstrichtungen in der künstlerischen Ausbildung miteinander zu verbinden, weiter, weil wir es einfach für gut halten", sagt René Bungenberg. Erfahrungen eingebracht Die künstlerische Leiterin des Kunstinstitutes BAJA e.V., Barbara Richter-Rumstig, und ihre Stellvertreterin, Margit Roßberg, wollen ihre Erfahrungen weiter einbringen. Allerdings sei man ihrem Wunsch nachgekommen, die Arbeit nunmehr auf breitere Schultern im Verein zu verteilen. Man habe dazu z.B. einen künstlerischen Rat, ein Organisations-Team und eine Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung gebildet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| top |
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||